Der Chinesische Turm ist eine Pagode, die sich im 375 Hektar großen Englischen Garten in München befindet.

Sie besteht aus Holz, ist 25 Meter hoch und hat fünf Etagen, die nach oben hin immer schmaler werden. Die einzelnen Stockwerke sind mit schindelgedeckten Dächern und goldenen Metallkugeln verziert. Im Inneren führt eine Wendeltreppe nach oben. Der Chinaturm ist das Wahrzeichen des Englischen Gartens und ein Symbol Münchens.

Der Chinaturm war ein Aussichtspunkt

Errichtet wurde der Turm 1789/90 nach einem Entwurf des Architekten Joseph Frey. Dieser war von der chinesischen Pagode der Londoner Kew Gardens inspiriert, die 1762 aus Ziegelsteinen erbaut wurde. Ab dem Jahr 1792 war der Chinesische Turm und auch der Englische Garten, den vormals die Wittelsbacher Herrscherfamilie als Jagdrevier nutzte, öffentlich zugänglich. Der Turm diente als Aussichtsplattform, da damals die Bäume wenig hoch waren. Seit den 1970er Jahren darf er aus Sicherheitsgründen aber nur noch von der Blaskapelle betreten werden, die dort im Sommer mehrmals die Woche spielt.
Immer mal wieder brannte der Chinaturm ab – zuletzt 1944 durch den Einschlag einer Fliegerbombe. 1952 baute man ihn wieder auf.

Bei Sonnenaufgang wird im Juli getanzt

Einmal im Jahr findet dort eine der schönsten Veranstaltungen Münchens statt – der sogenannte Kocherlball. Dieses Fest entstand 1880, als sich hier sonntags vor Arbeitsbeginn die Dienstboten der Münchner zum Tanzen trafen. Anfang des 20. Jahrhunderts schafften die Stadtoberhäupter die Veranstaltung ab, da es ihrer Meinung nach zu unsittlich zuging.
Erst im Jahr 1989 belebte man die alte Tradition wieder neu. Seither treffen sich jeweils am dritten Sonntag im Juli, um 6 (!) Uhr morgens rund 10.000 Münchner zum Tanzen und zwar entweder in bayerischer Tracht oder ganz im Stil der früheren Dienstboten gekleidet.
Ein Gasthaus mit Bierausschank drinnen und draußen gab es am Chinaturm bereits zur Biedermeierzeit. Seit 1974 ist dort Münchens zweitgrößter Biergarten zu finden. Gleich neben dem Chinesischen Turm steht außerdem ein nostalgisches Kinderkarussell mit schönen holzgeschnitzten Biedermeierfiguren aus dem Jahr 1913.