Das Münchner Oktoberfest jährt sich 2017 zum 184. Mal. Was als Prinzenhochzeit begann, zieht heute Besucher aus aller Welt in die bayerische Landeshauptstadt. Mit über sechs Millionen Gästen gilt es als größtes Volksfest der Welt.

Ein Pferderennen zur Hochzeit

In München heiratete am 12. Oktober 1810 der Kronprinz und spätere König Ludwig I. Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Feierlichkeiten dauerten insgesamt fünf Tage und endeten am 17. Oktober mit einem Pferderennen auf der nach der Braut benannten Theresienwiese. Von da an wurde das Rennen alljährlich gefeiert. Ab 1811 hielt man zeitgleich eine Landwirtschaftsausstellung ab, die bis heute alle vier Jahre im Süden des Festplatzes zu finden ist.

Nach und nach gab es immer mehr Stände, an denen man Bier kaufen konnte und seit 1896 große Bierzelte, die von den Brauereien errichtet werden. Auf dem Oktoberfest darf man bis heute ausschließlich Bier der sechs Münchner Brauereien (Paulaner, Hofbräu, Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu und Spaten) ausschenken. Zur Unterhaltung der Besucher gibt es seit etwa 1880 Fahrgeschäfte und Schaubuden aller Art.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es auf dem Oktoberfest kein Pferderennen mehr, außer zum 150. und 200. Jubiläum. Man wundert sich vielleicht, wieso schon ein 200. Jubiläum gefeiert wurde, obwohl 2017 erst die 184. Wiesn stattfand. Die Erklärung ist, dass sich die Festivitäten darauf beziehen, wie lange das Oktoberfest schon existiert und nicht wie oft. Während der Cholera-Epidemie, den Kriegen und den Nachkriegsjahren fiel die Wiesn nämlich aus.

Seit 2011 gibt es im südlichen Teil der Festwiese die sogenannte „Oide Wiesn“, ein nostalgischer Bereich, der an das Oktoberfest von Anno dazumal erinnern soll. Hier ist es weitaus gemütlicher und besonders gut für einen Besuch mit kleineren Kindern geeignet.

O´zapft is – den Anstich erledigt der Bürgermeister

Jedes Jahr beginnt das Oktoberfest am dritten Samstag im September mit dem Einzug der Brauereien und Wiesnwirte. Dabei fahren die Wirtsfamilien und Kellnerinnen der einzelnen Zelte mit blumengeschmückten Pferdekutschen von der Münchner Josephspitalstraße in Richtung Theresienwiese und werden vom Wahrzeichen der Stadt, dem Münchner Kindl angeführt. Um 12 Uhr zapft der Münchner Oberbürgermeister traditionell das erste Bierfass an und die Wiesn ist eröffnet. Am ersten Sonntag folgt dann der Trachtenumzug mit rund 9.000 Mitwirkenden aus ganz Europa und tausenden Schaulustigen. Erstmalig fand dieser 1835 anlässlich der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese von Bayern statt. Der Umzug beginnt um 10 Uhr am Max II-Denkmal und endet am Esperantoplatz.

Am Italiener-Wochenende ist München in italienischer Hand

Italiener-Wochenende ist ein fester Wiesnbegriff. Münchner, die in Italien nach ihrer Herkunft gefragt werden, ernten meist eine positive Reaktion. Das italienische Gegenüber lächelt wissentlich und sagt „ah, Oktoberfest“. Für Italiener ist nämlich die bayerische Großstadt fest mit diesem jährlich stattfindenden Event verbunden. Viele von ihnen waren schon da, wollen einmal hin oder kommen immer wieder.

Obwohl auf dem Münchner Oktoberfest Besucher aus aller Welt zu finden sind, stellen die Italiener mit rund 20 Prozent den größten Anteil dar. Traditionell reist man zum zweiten Oktoberfest-Wochenende an, das deshalb auch Italiener Wochenende genannt wird. An besagtem Freitag fahren unzählige Wohnmobile mit italienischem Kennzeichen und gut gelaunten Insassen in Richtung Landeshauptstadt, um sich auf dem „Festa della birra“ zu amüsieren.

Diese Form der Anreise ist deshalb so beliebt, weil sie relativ preiswert ist. Bei mehreren Mitfahrern teilen sich die Autobahngebühren und Benzinkosten gut auf und auch die Übernachtung auf einem der Münchner Campingplätze ist erschwinglich.

Stellflächen gibt es in Thalkirchen, der Siebenburger Straße oder dem „Oktoberfest Camp“ an der Neuen Messe Riem. Damit ein größeres Verkehrschaos vermieden wird, geben die lokalen Radiosender ihre Tipps zur Anreise auf Italienisch durch. Und die Münchner Polizei  bekommt für das Italiener-Wochenende extra Verstärkung aus Südtirol. Zusätzlich unterstützen freiwillige Helfer des Südtiroler Landesrettungsvereins “Weißes Kreuz”  die Sanitätsstation auf der Wiesn.

Italiener stürmen schon morgens die Festwiese

Die Einheimischen meiden am Italiener-Wochenende das Oktoberfest, da durch die Gäste aus dem Süden die Zelte schon mittags übervoll sind. Die Italiener kommen gerne besonders früh, um sich in jedem Fall einen Platz in den großen Biertempeln zu sichern. Diejenigen, die eine Bank erobert haben, trinken recht schnell die erste Maß. Doch wer früh kommt, ist auch früh voll… Der Alkoholgehalt des Oktoberfestbieres wird gerne unterschätzt, was zur Folge hat, dass sich nicht wenige Italiener auf dem sogenannten „Kotzhügel“, der Grünfläche unterhalb der Bavaria, wiederfinden.

Und auch für weibliche Wiesnbesucher kann die Mischung aus Italiener und Alkohol recht anstrengend werden, denn die Flirtlaune der heißblütigen Besucher steigt mit dem zunehmenden Bierkonsum ebenfalls stark an.

Unsere 5 besten Tipps fürs Oktoberfest

1.    Wie man hinkommt

Wer nicht in unmittelbarer Nähe zum Oktoberfest wohnt, muss die Theresienwiese erst mal erreichen. Aber wie? Mit dem Auto ist keine Option, denn es gibt keine Parkplätze und Bier trinken darf man dann auch nicht. Mit der U-Bahn ist es zwar besser, aber die Züge sind total überfüllt. Schnell mal ein Taxi rufen, kann man während der Wiesn auch vergessen. Deshalb sollte man mindestens einen Tag vorher vorbestellen. Um nachts von der Theresienwiese wegzukommen, empfiehlt es sich, nicht Richtung Haupteingang, sondern ans südliche Ende zu laufen. Dort stehen meist genügend Taxis.

2.    Kleidung

Tracht ist auf dem Oktoberfest eigentlich Pflicht. Damit sind aber traditionelle Dirndl und Lederhosen gemeint und keine in China produzierten Billigklamotten im Trachtenstyle oder dirndlähnliche Bling-Bling-Kleider. Auch die sogenannte Landhausmode geht gar nicht. Also, wer sich nicht lächerlich machen will, zieht entweder eine Originaltracht an oder kommt in Jeans.

3.    Wiesn-Deutsch

Der Münchner ist an sich tolerant, aber nicht bei der richtigen Aussprache der Wiesnbegriffe. Man sagt weder „ein oder eine Maas“, sondern „a Mass”. Es heißt auch nicht „Wiese oder Wiesen“, sondern „Wiesn“, nicht „Händel“, sondern „Hendl“ und auch nicht ogezapft, sondern o´zapft.

4.    Ein Platz im Zelt

Hat man keine Reservierung, sollte man am ersten und auch am Italiener-Wochenende erst gar nicht versuchen, einen Platz im Zelt zu bekommen. Am letzten Sonntag und unter der Woche mittags findet man meistens noch einen freien Tisch.

5.    Wiesn-Husten

Das Gedränge mit den vielen Menschen auf dem Oktoberfest ist ein Eldorado für Viren und Bakterien. Wer keinen Wiesn-Husten bekommen will, sollte sich regelmäßig die Hände waschen, nicht zu viele Bussis verteilen und beim Masskrug vorzugsweise oberhalb des Henkels trinken.